Der erste Teil meiner langen Reise ist nun schon geschafft: während ich diese Zeilen schreibe, sitze mi Tsiang-Kai-Sheck-Flughafen in Teipeh. Wenige Stunden nachdem sich in der Nähe von Melbourne einer der neun Felsen, die die "12 Aposteln" bilden, ins Meer verabschiedet hat (damit hätte er auch ruhig noch ein halbes Jahr warten können), haben mich meine Eltern ziemlich zum Frankfurter Flughafen gefahren.

Mein etwas übergewichtiger Koffer wurde beim Check-In ohne Probleme akzeptiert und bevor ich überhaupt so recht wußte, wie mir geschieht, saß ich im Flugzeug. Der Flug verlief so, wie man sich das von einem 14stündigen Flug erwartet: langweilig. Dank der umfangreiche Audio- und Videoauswahl war die Zeit aber ganz gut tot zu kriegen. Interessant ist, dass die taiwanesische China-Air den (rot-)chinesischen Luftraum anscheinend nicht überfliegen darf und deshalb in 100-200km Entfernung um die Volksrepublik herumkurvt.

Doch nicht nur der Flug dauert lange, leider auch das Warten auf den Weiterflug nach Sydney. Zum Glück bietet die China für alle Passagiere mit einem längeren Aufenthalt in Taipeh eine kostenlose Stadtrundfahrt an. So etwas kann man sich natürlich nicht entgehen lassen. Auf dem Programm standen: der Lungshan-Tempel, die Chiang-Kai-Sheck-Gedächtnishalle, der Taipeh 101 (leider nur von Außen) und ein Denkmal für Gefallenen der chinesischen Bürgerkriege.

Ein interessantes, aber vor allem fremdes Land. Bei der Fahrt durch die Strassen Taipehs wurde mit einem Mal bewusst, wie weit ich nun von zu Hause weg bin. Protz und Prunk auf der einen Seite - vor allem wenn es um das Militär geht- und heruntergekommene Viertel und Armut auf der anderen. Besonders befremdet die fast gottgleiche Verehrung von Chiang Kai Scheck, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass man bei uns heute noch so große Kirchen bauen würde. Selbst alte Handschuhe, die er irgendwann einmal getragen hat, werden in der Gedenkhalle hinter Glas ausgestellt. Der Wachwechsel hingegen ist sehr amüsant und mutet wie eine überdrehte Parodie auf das, was man sie erwarten würde. Da werden die Gewehre durch die Luft geworfen, mit dem Armen gefuchtelt und eine Art Stepptanz aufgeführt. Sehr eigen.

Die verbliebene Wartezeit bis zum Weiterflug nach Sydney ist eine Qual: draußen ist es wegen der Luftfeuchtigkeit nicht auszuhalten, das Flughafeninnere ist unangenehm klimatisiert und die Zeit will einfach nicht vergehen. Irgendwann tut sie es dann aber doch.

Gepostet um 01:41 nachm.         |     |