Port Hedland & Indee Station Fr - Oktober 21, 2005

Bisher habe ich Känguruhs, Wallabies, Koalas, Tasmanische Teufel, das Opernhaus und die Harbour Bridge, Tasmanien und vieles mehr gesehen. Ab heute aber steht das richtige Australien auf dem Programm - so wie man es sich vorstellt: roter Sand (oder auch Staub), die Sonne brennt vom wolkenlosen, strahlend blauen Himmel herunter, die Straße führt ewig lang gerade aus, monströse Road Trains, am Wegesrand stehen bizarre Termitenbauten, bis zur nächsten größeren Siedlung sind es viele hundert Kilometer ... und die Klimaanlage im Bus ist kaputt. Leider kein Scherz, sondern heiße Wirklichkeit.

Dafür habe ich mit allem anderen Glück. Die Gruppe könnte kaum heterogener oder besser sein: zwei deutsche Abiturientinnen, eine Schweizerin, eine irische und ein französischer Backpacker, zwei Japanerinnen, drei Australier (darunter ein älteres Ehepaar, das all das, was in den nächsten Tagen auf sie zukommen wird, mit Begeisterung mitmachen wird), zwei Belgierinnen, ein Engländer Mitte Vierzig, der seinen Job gekündigt hat, um ein Jahr um die Welt reisen zu können, und ein Israeli, der der einzige in der Gruppe ist, der mir auf die Nerven gehen wird. Marc, unser Tourguide, hat die letzten Jahre in Europa verbracht, und wir sind seine erste Gruppe in Western Australia.

Unser erstes Ziel ist der endlose und wunderschöne Eighty Mile Beach. Der Pazifik leuchtet türkis und das Wasser hat eine wunderbare Badetemperatur - leider treiben sich in der Gegen Haie herum und die Quallen-Saison hat auch gerade begonnen. Die Aktivitäten beschränken sich daher auf im Wasser waten, Muscheln sammeln und Lunch, bevor wir das Paradies mit den gefährlichen Tieren wieder verlassen müssen. Aber es liegen noch ein weiter Weg vor uns.

In Port Hedland wartet zum Glück bereits das Ersatzteil für die Klimaanlage auf Marc und der Bottleshop auf uns. Das Spannendste in der Stadt ist die Salzgewinnungsanlage, in der aus Meerwasser Salz erzeugt und in Form riesiger Berge gelagert wird. Auf dem Weg zur Indee Station, einer Cattle Station (Rinderfarm), wo wir unser Camp aufschlagen werden, machen wir noch einen kurzen Halt für den Sonnenuntergang und zum Feuerholz sammeln.

Die Nacht verbringen wir wahrlich australisch nicht in einem Zelt, sondern in einem Swag. Früher haben Landstreicher und Farmarbeiter ihr Hab und Gut zusammengerollt als so genannter Swag mit sich herumgetragen. Daher auch die Bezeichnung Swagman. Nachts haben sie das Bündel aufgerollt und darauf geschlafen. Unsere Swags haben damit nur noch eine entfernte Ähnlichkeit. Am ehesten lassen sie sich als eine wasserabweisende Kombination aus Isomatte und Überschlafsack beschreiben. Schlafsack, Kopfkissen, etc. bleiben in dem Swag, am Morgen wird er zusammengerollt und am Abend wieder aufgerollt, so dass man direkt in sein Bett schlüpfen kann. Das tolle ist, man spart sich den Zeltauf- und -abbau und man schläft direkt unter dem Sternenhimmel. Und das ist so weit von der Zivilisation entfernt wirklich ein ganz besonderes Erlebnis.

Gepostet um 03:29 nachm.         |     |